Gestaltung

So wenig ein Pinsel seine Bilder selbst malt, so wenig selbsttätig gestaltet uns SketchUp unsere Modelle. Zumal dann nicht, wenn wir eigene Ideen und Entwürfe visualisieren und ausformulieren wollen. Jede Kunst hat ihre eigenen Möglichkeiten und Bedingungen. Die Arbeit des Architekten, Ingenieurs oder Designers konzentriert sich in der Form sehr stark auf stereometrische Fragestellungen, also auf die Gestaltung von Körper und Raum.

Als grundlegende Lektüre empfehle ich, obgleich aus der Perspektive eines Malers geschrieben, die Ausführungen von W. Kandinsky: Punkt und Linie zu Fläche. Der russiche Künstler setzt sich darin sehr anschaulich mit den Zusammenhängen der Dimensionen auseinander und versöhnt in gewisser Weise, was die Mathematik manchmal etwas endgültig in Geometrie und Stereometrie trennt. Anklänge an Platons Vorstellung von den Elementarflächen und -körpern sind wohl gewollt. Zeitgleich mit Kandinsky hat sich der wohl folgenreichste Architekturtheoretiker der Moderne, Le Corbusier, 1922 schon in seinem Ausblick auf eine Architektur geäußert:

„…, die Würfel, Kegel, Kugeln, Zylinder oder Pyramiden sind die großen primären Formen, die das Licht klar offenbart; ihr Bild erscheint uns rein und greifbar, eindeutig. Deshalb sind sie schöne Formen. Die allerschönsten

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ARCHITEKTUR

besteht aus RAUM / KONSTRUKTION / UMSCHLIESSUNG

  • Gliederung, Zusammenhänge, Hierarchie
  • Ausbildung und Erscheinung des Raums
  • Form, Maßstab und Konstruktion
  • Oberflächen, Umrisse, Kanten und Öffnungen
  • Licht, Ausblick, visueller Schwerpunjkt und Akustik

ist erfahrbar durch BEWEGUNG IN RAUM UND ZEIT

  • Annäherung an das Gebäude
  • Wegführungen, Zugänge, Eintritt
  • Folge der Räume und deren Erschließung

ist ausgeführt mit den Mitteln der TECHNOLOGIE

  • Konstruktion und Umschließung
  • äußere Einflüsse
  • Gesundheit, Sicherheit, Wohlbefinden

entspricht den Forderungen des PROGRAMMS

  • Forderungen des Nutzers, Notwendigkeiten und Wünsche
  • gesetzliche Auflagen
  • wirtschaftliche Faktoren
  • soziologische und kulturelle Einflüsse
  • historische Vorbilder

ist in Übereinstimmung mit dem KONTEXT

  • Gelände und Umgebung
  • Klima (Sonne, Wind, Temperatur, Niederschläge)
  • Geologie (Baugrund, Vegetation, Topographie, Wasser)
  • gefühlsmäßige Eindrücke: genius loci (Charakter des Ortes, Ausblicke, Geräusche)

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ORDNUNG IN DER ARCHITEKTUR ERLEBEN WIR

PHYSISCH

Form und Raum / Körper und Hohlraum / Innen und Außen

  • Raum
  • Konstruktion
  • Umschließung
  • Technologie

OPTISCH

Wahrnehmen und Erleben der materiellen Elemente durch fortschreitende Erfahrung in der Zeit

  • Ankunft und Aufbruch
  • Eintreten und Herausgehen
  • Durchschreiten der Raumordnungen
  • Ausstattung der Räume
  • Licht, Farbe und Textur
  • Aus- und Einblicke

IDELL

Verstehen der Zusammenhänge zwischen den Elementen und Systemen eines Gebäudes mit den Bedeutungen, die sie zu erkennen geben

  • Ideen
  • Modelle
  • Zeichen
  • Symbole

(Quelle: Francis D.K. Ching: Die Kunst der Architekturgestaltung. Wiesbaden, Berlin 1986)